Glaube und Hoffnung oder Hoffnung und Glaube ? oder Glaube aus Hoffnung? Oder Hoffnung aus Glaube? Oder Hoffnung oder Glaube?
Was ist der Unterschied? Gibt es einen? Was ist Hoffnung? Was ist Glaube?
Ist Hoffnung z.B. das? Ich habe die Hoffnung, dass das Wetter morgen besser wird?
Das ist die Erkenntnis des meteorologischen Fakts, dass es nicht nur Regen, Schnee oder Graupel gibt, sondern auch Sonne…. oder einfach die gemachte Erfahrung, die Empirik, dass nach schlechtem Wetter gutes folgt.
Wenn ich sage, ich habe die Hoffnung, dass Du morgen Deine Socken wäschst, dann ist das meist eine Feststellung. Nämlich, dass da ungewaschene Socken sind, die wahrscheinlich stinken und noch gewaschen werden sollten… aber die Hoffnung drückt den Glauben an das Gute im Menschen, an die Moral aus, dass morgen Du morgen Deine Socken waschen könnte… und es auch tun wirst. Egal aus welchem Grund. Vielleicht weil X es selbst erkannt oder gerochen hat, dass es nötig ist. Oder weil X es tut, um Person Y zu gefallen? Oder es basiert einfach auf der Erfahrung, dass X seine Socken in ähnlichen Situationen schon mal von selbst gewaschen hat. Auf der Erfahrung.
Warum reite ich auf dem Sockenbeispiel so herum?
Was ist der springende Punkt?
Zunächst noch das Beispiel mit dem Glauben:
Man sagt: Ich glaube, dass….
Das sagt man aber meistens als Synomym zu: Ich denke, dass… oder ich meine, dass…
Mit Glauben hat das wenig zu tun. Was ist also Glaube?
Oder Faith? Fé ? Der englische oder französische Begriff hilft da eben so wenig weiter. Danach wurden Städte im “wilden Westen” benannt, Santa Fé z.Bsp. (heiliger Glaube). In Zeiten starker Anfeindung und Pioniersarbeit.
Woher kommt das Wort Glaube?
Glaube kommt vom indogermanischen *leubh-, begehren, lieb haben, für lieb erklären, gut heißen, loben
Heutzutage setzt man es eher gleich mit für wahr halten und manchmal auch vertrauen.
Also ist doch etwas anderes, wenn ich sage: “Ich hoffe, dass das Wetter morgen besser wird?” Das basiert rein auf meinem Wunsch und der gemachten Erfahrung, dass es besser werden kann.
Wenn ich dagegen sage: “Ich glaube, dass das Wetter morgen besser wird.” Heißt das dann, das ich etwas weiß, was andere nicht wissen? Oder vertraue ich darauf, dass das Wetter gut sein wird? Oder habe ich die Hoffnung, dass irgendetwas oder jemand bewirkt, dass das Wetter besser wird? Und bin ich enttäuscht, wenn es nicht so wird? Nicht morgen, aber vielleicht übermorgen? Oder nächste Woche? Wenn ich sage, ich glaube, dann vertraue ich darauf, dass das Wetter besser wird. Und Vertrauen heißt, dass ich mich nicht enttäuscht abwende, wenn das morgen nicht eintreffen sollte. Wie in einer Freundschaft.
Vertrauen z.B. in einer Freundschaft oder Partnerschaft basiert auf dem Wissen, dass der Partner/die Partnerin bisher immer vertrauenswürdig war. Nach bestem Wissen und Gewissen. Es basiert auf Wissen und der Anzahl der gemachten Erfahrungen mit dem/r PartnerIn. Darum ist es mitunter auch so schwierig, eine gute und tiefgehende Freundschaft aufzubauen. Gute Freunde sind ehrlich zu einander. Sie sagen einem auch das, was man lieber nicht hören möchte.
Wenn ich dagegen hoffe, dass mein Partner vertrauenswürdig ist, dann ist das etwas anderes. Dann bin ich vielleicht etwas unsicher und hoffe, dass alles glatt geht; dass mein Partner im richtigen Moment die richtige Entscheidung trifft. Nämlich die für mich! Dass sie/er mir die Treue hält.
Paulus nennt beide Begriffe (und noch einen dritten): “…Es bleiben aber Glaube, Hoffnung, Liebe…”
Demnach wären die beiden Begriffe verschieden. Oder einfach nur Synonyme?
Glaube ist also die Summe aus Hoffnung und den bisher gemachten positiven (eigenen) Erfahrungen, allerdings bezogen auf die Zukunft. Also ein Bezug aus Vergangenheit und Zukunft.
Woher kommt das Wort Glaube?
Das Wort Glaube (auch Glauben) (vom indogermanischen *leubh-, begehren, lieb haben, für lieb erklären, gut heißen, loben (Deutsches Wörterbuch Gebrüder Grimm).
Heute wird das Wort Glaube eher im Sinn “für wahr halten” und “vertrauen” gebraucht.
Die Bedeutung hat sich also im Laufe der Zeit verändert.
Manchmal sagt man auch z.B.: Glauben heißt wissen.
Genauso könnte man sagen: Glauben heißt vertrauen.
Vertrauen darin, dass etwas so eintritt, wie man es erwartet oder es sich erhofft. Oder dass es so eintritt, weil man in der Vergangenheit die Erfahrung(en) gemacht hat, dass es vorher auch so eintrat.
Glaube an Gott zum Beispiel hat damit zu tun, dass man denkt, dass es eine höhere Macht, ein höheres universales Wesen geben muss, das alles bedingt und/oder beeinflusst. Und es heißt auch, dass man Vertrauen hat. Glaube an Gott ist nicht wissenschaftlich belegbar. Er geschieht im Vertrauen. Worauf? Auf das Wort Gottes, das ER in der Bibel veröffentlicht hat. Oder im Koran. Und darauf, dass Gott existiert und das Buch der Bibel auch wirklich von Gott kommt. Es gibt viele Indizien, dass Gott existiert. Aber beweisen kann man ihn nicht.
Atheisten z.B. glauben nicht an Gott. Sie glauben, dass es Gott oder ein anderes Wesen nicht geben kann. Meist geschieht das auf der Basis gemachter Erfahrungen. Zum Beispiel meint man, dass Gott in dem persönlichen Leben (bisher) nicht aktiv war. Oder dass es Gott nicht geben kann, da auf dieser Welt im Moment so einiges schief geht. Oder gegangen ist.
Aber heißt das, dass es Gott nicht geben kann? Nein! Man glaubt nur nicht daran.
Wie ich schrieb: Glaube basiert auf der Summe gemachter Erfahrungen. Wenn ich also keine Erfahrungen mit Gott mache, dann fällt es mir schwer an ihn zu glauben.
Oder ich glaube an Zufall.
Oder aber ich glaube daran, das ein höheres Wesen da ist, das sich für mein Leben interessiert und daran teilhaben möchte.
Mir persönlich ist der zweite Gedanke lieber. Deswegen glaube ich nicht an Zufall.
Wenn ich z.B. etwas fallen lasse, dann beobachte ich, dass es fällt. Das hat aber nichts mit Zufall zu tun. Sondern mit Physik. Ich weiß, dass etwas aufgrund der Schwerkraft fällt. Das hat jetzt nicht unmittelbar mit Gott zu tun. Oder doch? Vielleicht hat er ja die Schwerkraft erfunden? Ohne Schwerkraft ist es z.B. schwer zu gehen. Weil alles im leeren Raum passiert.
Bei Gott ist das anders. Da hat alles einen tieferen Sinn. Auch wenn ich ihn (jetzt) vielleicht nicht verstehe, sondern vielleicht erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten.
Aber ich habe den Glauben daran, dass Gott hinter allem steht und das was passiert Sinn hat. Und ich hoffe, dass ich es irgendwann verstehen werde.
(mk)